Mufflers neues Album "Stone Cold":
Eine Breakbeat-Romanze?
Der Gott des
Drum & Bass schiebt eiskalt ein neues Album in unseren Music Player. Stone Cold
nennt sich das gute Stück und zeigt, dass auch harte Breakbeat-Jungs eine
romantische Ader haben.
Muffler ist es zu verdanken, dass sich meine Ohren für
die harten Rhythmen des Drum & Bass geöffnet haben. Dass ich diese
Musikrichtung nach wie vor als die am besten für Szenedemos passende halte,
weil hier oftmals brachial inszenierte Optik einfach perfekt mit der
musikalischen Begleitung harmoniert. Ja, es war dieser Konsta Mikkonen, der
jüngere Bruder von Szenelegende Aleksi Eeben (aka Heatbeat!), dessen Musik ich
zuerst 1998 in der Amiga 40k Intro Superautodrome 2 von
Scoopex zu hören bekam. Anfangs verwirrten mich die Beat-lastigen Klänge noch,
bald schon lernte ich das raffinierte Spiel von heftigen Bässen und melodischen
Elektronikklängen jedoch mehr und mehr zu schätzen und Muffler für seine Musik
zu vergöttern. Denn genau diese Mischung aus hart und weich hat für mich kein
andere D'n'B-Artist so perfekt hinbekommen, wie der Super-DJ aus Finnland.
Umso gespannter war ich darauf zu hören, wie Muffler heute klingt. Mir war
bekannt, dass er inzwischen beim bekannten Drum-and-Bass-Label Hospital Records
rockt und ein gefeierter DJ ist. Doch nur höchst selten habe ich das zu hören
bekommen, was er in den letzten 10+ Jahren, seit seinem Abgang aus der
Demoszene, geschaffen hat. Gut, da war noch die Haujobb-Demo Prototype 1, der er
einen Track spendierte. Aber das war's in Sachen Szeneaktivität - zumindest bis
zu diesem Jahr, so viel kann ich euch an dieser Stelle versprechen.
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Breakbeat-Romanze
Doch nun wollen wir reinhören in den musikalischen Kosmos von Muffler, den er
uns mit dem neuen Album Stone Cold
präsentiert. Wie hat sich seine Musik verändert? Lässt er immer noch die
Boxen erbeben? Hat er sich sein Gespür für Melodie und technischer Wucht
erhalten? Genau das sind Fragen, die uns beschäftigen und die uns mit Stone Cold beantwortet werden.
Zwölf Stücke sind es, die Muffler auf der neuen Scheibe untergebracht hat. Und
bereits mit den ersten Klängen kristallisiert sich heraus, dass Muffler ruhiger
geworden ist. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht auch daran, dass man
nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen muss. Auch nicht musikalisch.
"Can't breath" heißt der erste Track auf Stone Cold, der mit sphärischen
Melodien, dem säuselnden Gesang von Sansa und der unaufgeregten Begleitung der
Breakbeats sofort zu fesseln vermag. Und das, obwohl ihm die frühere Härte á la
My Kingdom abgeht.
Auch das nachfolgende Stück namens "Ranua" schlägt in dieselbe Kerbe.
Hübsch poltern die Breakbeats dahin, die Melodie greift sofort und wir wollen
fast die Tanzfläche stürmen, doch überwiegend fläzen wir uns dann doch lieber
in der Chill-Area.
Hochschalten!
Ein bisschen flotter wird's anschließend bei "Northern Lights"
und "Mountain Streams", ohne dass jedoch der Deep Bass in Richtung
Anschlag gedrückt wird. Auch hier ist deutlich zu hören, wie viel Wert Muffler
auf das Aneinanderreihen verschiedener Töne legt, sodass diese Lieder fast
schon Ohrwurmcharakter erreichen. Mit dem fünften Track "Cosmos"
nimmt sich der Akustikkünstler dann wieder eine kleine Verschnaufpause und
schraubt Geschwindigkeit und Basslautstärke etwas zurück, nur um dann die Nacht
zum Feiertag werden zu lassen. In "Night" nämlich geht's rasant und
brachialer zu. Hier werden sogar Technorhythmen hinzu gemischt, weshalb dieses
Stück das wohl flotteste ist und den alten Stücken am nächsten kommt. Ebenfalls
ein wenig lauter präsentiert sich der "Joy Ride". Das liegt aber eher
am 80er-Jahre-Synth, der hier hervorragend den Drum 'n' Bass-Rhythmen
untergejubelt wird und eine gelungene Abwechslung zum bisher gehörten
darstellt.
Zwischenfazit
Mittlerweile ist festzustellen, dass ich in der neuen Welt von Muffler
angekommen bin. Der ruhige Beginn war sehr schön, sehr entspannend und erzeugte
ein wirkliches Wohlgefühl. Mit dem stetigen Anstieg von Lautstärke und Bass,
sowie den gelungenen Ergänzungen aus anderen Klangwelten hat er es jedoch
geschafft, die Flamme der Begeisterung neu zu entfachen.
"Dark Flower" wird nun gespielt. Mehr als fünf Minuten feinste
Breakbeats, gepaart mit melodischen Abschnitten, mal rasant, mal zum Relaxen.
Auch hier kann man nur gratulieren, handelt es sich doch um ein verflixt feines
Stück Klangarbeit. Doch dann passiert es. Ich frage mich, ob meine Anlage
defekt ist, ob ich neue Kopfhörer kaufen muss oder beim Mastering der CD etwas
schief gelaufen ist. Ich höre keine Drums mehr, keinen Bass. Was ist passiert?
Die Ruhe vor dem Rock
"Void" ist passiert. Dieses Stück verzichtet nämlich auf eben
jene Tugenden und schickt uns auf einen Trip in die Welt des Ambient-Pop. Es
passt so gar nicht zum Stil von DJ Muffler und fügt sich dennoch hervorragend
ins Gesamtbild ein. Wieder ein gelungener Schachzug des Herrn am Mischpult, der
immer wieder für Überraschungen gut ist. Danach ist Muffler aber wieder zurück
in der Beat-Spur und lässt mit dem titelgebenden "Stone Cold" den
wohl unmelodischsten Vertreter dieses Albums auf den Zuhörer los. Dieses Stück
ist Drum 'n' Bass wie er im Buche steht, mit krachenden Beats und tiefen
Klangsequenzen die Eindruck schinden.
Und dann steht schon wieder eine Überraschung vor der Tür. Beim elften Track
namens "Rock" mischt Konsta Mikkonen noch die Riffs einer E-Gitarre
mit hinzu, was ebenfalls zu einem ungewöhnlichen, aber sehr stilvollen
Hörerlebnis führt. Und weil ihm das Saitenschlagen so gut gefallen hat, kommt
die Gitarre auch beim abschließenden "Life" zum Einsatz. Dieses Mal
erst in Form einer Ballade, die aber ab der Mitte doch noch gehörig Fahrt in
die D'n'B-Richtung aufnimmt.
Fazit
Was hat Stone Cold mit mir gemacht?
Nun, es hat mir erst die Ruhe vor dem Sturm vorgegaukelt. Erst ein bisschen
chillen, dann abtanzen, dann folgt eine weitere kleine Erholungsphase bevor
gegen Ende der Rocker in mir mutig den Dancefloor entert. Muffler ist mit Stone Cold ein großer Wurf gelungen,
der vor allem Freunde von melodischem, nicht zu hartem Drum 'n' Bass anspricht.
Den Mut, auch andere Einflüsse in seine Welt der Breakbeats aufzunhemen, muss
man diesem Klangkünstler hoch anrechnen, zumal die Gefahr der Monotonie somit
vollständig gebannt wird. Fast könnte man Muffler den Vorwurf machen, dass er
ein bisschen zu sehr in Richtung Mainstream geht. Aber Hey, das Ding rockt nun
mal und bleibt im Ohr hängen. Mission erfüllt!
1. Can't Breath (feat. Sansa)
2. Ranua (feat. Keeno)
3. Northern Lights
4. Mountain Streams
5. Cosmos
6. Night
7. Joy Ride
8. Dark Flower
9. Void (feat. Sandra Weber)
10. Stone Cold
11. Rock (feat. Hannu Vare)
12. Life (feat. Hannu Vare)
Stone Cold @ Bandcamp
Persönliche Favoriten: Northern Lights, Night, Life